Die Chronik Helgolands

Croniken von Helgoland

Ein Überblick über die wichtigsten Stationen in der Geschichte der Nordseeinsel Helgoland. Archäologische Funde belegen, dass Helgoland bereits in der Mittelsteinzeit besiedelt war. Die erste zuverlässige schriftliche Erwähnung stammt aus der Zeit um 800. Sie berichtet von christlichen Missionsversuchen der Friesenstämme, die die Insel bewohnten. Ab etwa 1400 gehört Helgoland zu wechselnden schleswig-holsteinischen Landkreisen oder Herzogtümern. Dänen, Briten und Deutsche folgen. Helgoland wird durch die Bombenangriffe während und nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. In den 1950er Jahren bauten die Inselbewohner die Insel wieder zu einem Urlaubsziel aus.

  • 1714: Dänen erobern die Insel – Helgoland wird dänisch. Die Inselbewohner leben vom Fischfang, von Walen und Robben, arbeiten als Lotsen und bauen Muschelkalk ab.
  • 1807: Die Briten erobern Helgoland – Die Briten erobern die strategisch günstig gelegene vorgelagerte Insel. Sie wollen die von Napoleon verhängte Kontinentalblockade für britische Waren umgehen. Helgoland florierte als Lagerstätte für Schmuggelware – bis 1814 die Blockade aufgehoben wurde.
  • 1826: Helgoland wird Seebad – Die Helgoländer entdecken den Tourismus als neue Einnahmequelle. 1826 gründete Jacob Andresen Siemens ein Seebad auf der Düne. In den folgenden Jahren entwickelte sich Helgoland zu einem beliebten Reiseziel für Künstler und Kurgäste. 1834 fahren die ersten Dampfer von Hamburg auf die Insel, außerdem werden ein Hallenbad, ein Bootssteg und ein Kurtheater gebaut. In der Saison 1886 kamen 8.370 Badegäste nach Helgoland.
  • 26. August 1841: Hoffmann von Fallersleben komponiert das Deutschlandlied – der Legende nach saß Heinrich Hoffmann von Fallersleben auf einer Klippe in Helgoland und schrieb dort das Deutschlandlied. Joseph Haydn schreibt die Musik.
  • 1. Juni 1890: Helgoland wird deutsch – Die Briten geben Helgoland an das Deutsche Reich ab. Beim Staatsakt am 10. August mit 11.000 Gästen ist der Kaiser persönlich anwesend. Die Übernahme ist Teil eines Interessenausgleichs zwischen den beiden Ländern, der im Helgoland-Sansibar-Vertrag festgeschrieben ist. Das Deutsche Reich trat Gebiete in Ost- und Südwestafrika an die Briten ab und erhielt im Gegenzug Helgoland.
  • 1. April 1910: Eröffnung der Vogelwarte – Helgoland ist eine Oase für Zugvögel. Die Eröffnung der ornithologischen Station auf der Insel im April 1910 war ein Meilenstein in der Vogelzugforschung.
  • August 1914: Einwohner müssen die Insel verlassen – Helgoland diente im Ersten Weltkrieg dem Militär als Seefestung zum Schutz der Deutschen Bucht vor der britischen Flotte. Zu Kriegsbeginn mussten die knapp 3.500 Halunder, wie sich die Inselbewohner nennen, im August 1914 ihre Heimat verlassen.
  • Dezember 1918: Helgoland wird entmilitarisiert – nach Kriegsende kehren die Insulaner im Dezember 1918 zurück. Obwohl viele Häuser beschädigt und geplündert sind, wird Helgoland nicht zerstört, da die Kriegsgegner die Insel weder betreten noch beschießen. Auf der Grundlage des Versailler Vertrages wird Helgoland entmilitarisiert. In den 1920er Jahren blühte der Tourismus wieder auf.
  • 31. Mai 1926: James Krüss wird auf Helgoland geboren – der Geschichtenerzähler ist einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren der Nach-Kriesg-Ära. Krüss verbrachte Kindheit und Jugend auf der Nordseeinsel – und so wurde sie in seinen Büchern zur Kulisse vieler fantastischer Abenteuer.
  • 1935: Nazis beginnen mit Remilitarisierung – Ab Mitte der 1930er Jahre fördern die Nationalsozialisten die Remilitarisierung Helgolands. Die bestehenden Bunker und Tunnel werden repariert und erweitert, der Hafen wird für große Kriegsschiffe und U-Boote erweitert.
  • 3. Dezember 1939: Erste Bomben fallen – Die britische Luftwaffe fliegt den ersten Bombenangriff auf die Insel im Zweiten Weltkrieg, weitere folgen im Mai 1940. Die Folge: Tod und Zerstörung. Dann wird tief im Fels ein Bunkersystem für Zivilisten angelegt.
  • Frühjahr 1945: Helgoländer Widerstand formiert sich – Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges versucht eine Widerstandsgruppe um Georg Braun, die kampflose Übergabe der Insel Helgoland an die Briten herbeizuführen – doch der Widerstand wird verraten.
  • 18. April 1945: Helgoland wird durch einen Bombenangriff zerstört – Helgoland erlebt mit fast 1.000 Bombern den schwersten Bombenangriff. Die meisten Inselbewohner können in die Luftschutzkeller fliehen, aber das Dorf ist fast vollständig zerstört. Nach dem Angriff wird die Insel evakuiert.
  • 18. April 1947: Operation “Big Bang” auf Helgoland – Die Briten sprengen die Militäranlagen der Insel mit einer der größten Explosionen der Weltgeschichte. Dadurch entsteht ein riesiger Krater. In den folgenden Jahren blieb die Insel Ziel von Trainingsbomben.
  • 20. Dezember 1950: Zwei Studenten besetzen die Insel – René Leudesdorff besetzt mit seinem Kameraden Georg von Hatzfeld Helgoland, um für die Rückkehr der Insel zu demonstrieren.
  • 1. März 1952 – Helgoland ist wieder Deutsch – nach sieben Jahren britischer Besatzung weht die Flagge Schleswig-Holsteins ab 1952 wieder über Helgoland. Für Insulaner ist es eine Heimkehr in einem Trümmerfeld.
  • 1962: Das Kur- und Einkaufsparadies der Nordsee erscheint – kurz nach der Rückkehr nach Deutschland kehren die ersten Touristen nach Helgoland zurück. Seit 1962 darf sich die Insel das Heilbad der Nordsee nennen. Bis heute leben die rund 1.300 Einwohner hauptsächlich vom Tourismus. Zudem profitieren sie davon, dass Einkäufe auf Helgoland zoll- und mehrwertsteuerfrei sind.
  • 23. Februar 1967: “Adolph Bermpol” stürzt während der Hurrikan-Mission ab – Im Hurrikan “Xanthia” verliert der Seenotkreuzer seine gesamte Besatzung beim Versuch, einen Kutter vor Helgoland zu retten. Sieben Matrosen verlieren ihr Leben.
  • 26. Juni 2011: Mehrheitsvotum gegen Damm – In einer Volksabstimmung lehnt die Mehrheit das Projekt ab, Hauptinsel und Düne wieder zu vereinen. Ziel des Projekts war es, durch Deponien neue Flächen für touristische Einrichtungen zu gewinnen.
  • Januar 2021: Die Stiftung Nordseemuseum stellt unterirdische Bunkertunnel aus – der Ausbau begehbarer unterirdischer Bunkeranlagen, die im Zweiten Weltkrieg dem Schutz der Zivilbevölkerung dienten, ist ab Ende 2022 zu sehen.

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